Wandern - Tiere: Wie verhalte ich mich, wenn ich einem Wolf begegne?

Wolf und Wandern in Brandenburg - Info

Wandern und der Wolf in Brandenburg

Wenn ich alleine durch Brandenburg wandere, komme ich auch durch Wolfsgebiet. Denn nach langer Abwesenheit sind die Wölfe in fast allen Landkreisen wieder sesshaft geworden.
Einer Begegnung mit dieser Tierart sehe ich mit Spannung und auch mit Furcht entgegen. Zum einen freue ich mich, sollte ich zum ersten Mal einen freilebenden Wolf sehen und zum anderen habe ich Angst vor seinem Verhalten. Allerdings gab es in Brandenburg seit der Rückkehr der Wölfe um die Jahrtausendwende keinen einzigen Wolfsangriff auf Menschen.
Das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft (MLUL) hat zwei interessante Broschüren über den Wolf veröffentlicht, die auf der Website zum Download bereitstehen oder auch kostenfrei in der Papierversion zu bestellen sind, Link weiter unter.
Das steht drin:

Wo kann ich dem Wolf beim Wandern begegnen?

Wald, offene Landschaft und in der Nähe von Siedlungen. Eine Karte der gemeldeten Wolfsichtungen veröffentlicht das Landesamt für Umwelt Brandenburg hier.

Wie verhält sich der Wolf?

Wölfe verhalten sich dem Menschen gegenüber vorsichtig und weichen normalerweise aus, in der Regel ziehen sie sich zurück, bevor wir sie bemerkt haben. Wenn sie sich verfolgt oder in die Ecke getrieben fühlen, können sie aggressiv reagieren. Jungwölfe haben durch ihre Neugierde eine geringere Fluchtdistanz.

Wie verhalte ich mich, wenn ich einem Wolf begegne?

(und meinen Drang unterdrücke, sofort jemanden anzurufen, um davon zu erzählen)

  • mit großem Respekt
  • ruhig bleiben
  • nicht hastig davonlaufen
  • Abstand halten
  • den Wolf nicht anlocken
  • sich ihm nicht nähern und nicht bedrängen,
  • nicht anstarren
  • falls der Wolf sich nicht zurückzieht: sich durch Reden, Rufen oder Händeklatschen bemerkbar machen
  • langsam gehen
  • falls der Wolf wider Erwarten folgt, stehen bleiben und lärmen (oh je)

Was haben Wanderer mit Hund zu beachten?

Hunde werden vielleicht von Wölfen als Eindringlinge oder Beute angesehen, gelegentlich auch als potenzielle Partner und sind gefährdeter als Menschen. Daher sollten sie im Wolfsgebiet angeleint sein und sich nicht unbeaufsichtigt bewegen.

Und was mache ich, wenn ich einen toten, kranken oder verletzten Wolf finde?

Den Wolf nicht berühren, das könnte gefährlich werden und sofort der Naturschutzbehörde, der Forstbehörde oder der Polizei melden. Tote Wölfe werden übrigens nach der Untersuchung der Wirbeltiersammlung des Naturkundemuseums Potsdam übergeben.

Fazit:
Nach dem Lesen der beiden Broschüren sehe ich einer möglichen Begegnung mit weniger Furcht entgegen. Nun weiß ich, dass es sehr unwahrscheinlich ist, einem Wolf zu begegnen und falls es doch zu einem Treffen kommt, ich ihm die Möglichkeit geben muss, sich langsam zurückzuziehen.

Wissenswertes über den Wolf in Brandenburg:

Größe :
Rüden (m): Schulterhöhe 70 – 90 cm, Länge 100 – 140 cm
Fähen (w): Schulterhöhe 60 – 80 cm, Länge 95 -125 cm

Gewicht :
Rüden (m): ca. 35 -50 kg, max 75 kg
Fähen (w):: ca. 30 – 40 kg

Körper: grau bis braun, große Vorderpfoten (8 – 10 cm ohne Krallen), kleinere Hinterpfoten (7 – 9 cm), hell abgesetzter Bereich um die Schnauze

Kot (Losung): Knochensplitter, Knochenteile, Haare, Markierung des Reviers durch Kot.

Lebenserwartung Natur: 10 Jahre, Gefangenschaft: 20 Jahre

Heulen bedeutet: Zusammenhalt im Rudel, Einstimmen auf die Jagd und Mitteilung an fremde Wölfe, dass sie in besetztes Territorium eingedrungen sind.

Gangart: gleichmäßiger geschnürter Trab: gerade gerichtete und kräftesparende Spur. Ein Wolf setzt die kleinere Hinterpfote meist genau an die Stelle, wo er zuvor mit der Vorderpfote aufgetreten ist oder übertritt sie leicht. Ähnlich läuft auch der Rotfuchs, so gut wie nie der Haushund. Oder schräger Trab, ähnlich wie beim Haushund.
Vorderpfoten sind 8 – 10 cm lang, Hinterpfoten 7 – 9 cm

Tageslaufleistung: 30 – 75 km

Geruchssinn: Tausend Mal leistungsfähiger als beim Menschen, der Wolf kann Beute und Artgenossen bis auf 2 Kilometern wittern.

Sehsinn: Tag und Nacht fast gleiches Sehvermögen, besonders gut werden rasche Bewegungen erfasst.

Hörsinn: Wölfe können ihre Artgenossen auf über 9 Kilometer heulen hören.

Fluchtverhalten: Wölfe ziehen sich langsam, oft seitwärts zurück.

Nahrung: etwa 3 Kilo Beute am Tag, wenn ungestört vertilgen Wölfe größere Beute auf mehrere Nächte. Nahrung vor allem Reh, Rot- und Schwarzwild, vorwiegend jüngeres Wild oder überalterte und kranke Tiere.

Revier: Größe ca. 200 Quadratkilometer, Suche eines neuen Territoriums oftmals viele hundert Kilometer entfernt.

Nachwuchs: Wolfsfähen werden nur ein Mal im Jahr läufig, Paarung Ende Februar – Anfang März, mehrere Wurfhöhlen werden im Winter von der Wölfin mit einem Durchmesser von 40 – 60 cm gegraben. Fuchs- und Dachsbauten sind kleiner.
2 Monate Tragzeit, Junge kommen im April oder Mai zur Welt. Nach 2 Wochen öffnen sie die Augen, nach 3 Wochen verlassen sie zum ersten Mal die Höhle, gesäugt werden sie die ersten 6 – 8 Wochen.
Während der Aufzucht von Ende April – Juni reagieren Wölfe empfindlich auf Störungen und ziehen mit den Jungwölfen in eine Ersatzhöhle.
Die Wolfsfamilie verlässt Ende Juni/Anfang Juli die Umgebung der Wurfhöhle und verlagern das Rudelleben auf einen Rendesvousplatz, einem ungestörten Platz in der Nähe von Wasserquellen mit Versteckmöglichkeiten, meist Wiesen oder Lichtungen mit Gebüsch oder Jungbäumen mit dichtem Blätterwerk. Rund 50% der Wolfswelpen sterben im ersten Lebensjahr, oft durch fehlende Nahrung. Besonders der erste Herbst ist kritisch.
Im Herbst sind die Jungtiere fast so groß wie die Eltern. Geschlechtsreife der Wölfe: Zweiter Winter, Abwanderung um ein neues Revier zu besetzen

Links:

 
 
 
Abkürzungen:
LfU = Landesamt für Umwelt Brandenburg
MLUK= Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz
 
Die Fotos habe ich in einem Wildpark aufgenommen.
 

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