Besondere Bäume: Dicke Ulme in Kienbaum (Oder-Spree)

Die alte Ulme ist moosbewachsen und hohl

Die Dicke Ulme in Kienbaum ist genau genommen eine Flatterulme und ein Baum mit Format.
Sie ist hohl, knollig und hat eine abgesetzte Taille. Eine Beschreibung, die bei Menschen nicht so gut ankommt.

Was mag die alte Ulme in den letzten 250-400 Jahren gesehen haben?

Die Dicke Ulme steht geschützt zwischen Kirche und Kita. Zwischen Glaube und Zukunft. Vielleicht ist das ihr Erfolgsgeheimnis.

Auf der anderen Straßenseite steht eine alte Frau auf der letzten Stufe vor der Haustür und unterhält sich mit einer Nachbarin.
Sie trägt einen blauroten Kittel. Ein aussterbendes Kleidungsstück, das früher in keinem Kleiderschrank der Hausfrau ab 40 fehlen durfte.
Ich schätze sie auf 80 - 90 Jahre. Die Ulme wird, nicht von mir, auf 250 - 400 Jahre geschätzt.
Wenn die Treppenstufenfrau in Kienbaum geboren ist, begleitet die Flatterulme schon ein Leben lang.
Die Ulme war Zeugin als sie die ersten Schritte außerhalb des Hauses meisterte, wie sie zur Schule ging, dann kam der Krieg und alles wurde anders.
Vielleicht besitzt die Frau Fotos von ihrer Hochzeit vor dem Baum, dann ein Leben in der DDR, die Feste draußen, der Mauerfall, den die Ulme nur zur Kenntnis nahm, weil der Verkehr sich änderte. Das Haus vor dem Baum verwaiste, aber es bot weiterhin Schutz vor starkem Wind.
Die Nachbarin ist nur eine Nebendarstellerin im Leben der Dicken Ulme, wichtig sind Wind, Regen, Sonne, Boden, Insekten und all das was auch schon in den Jahrhunderten davor zählte. Die Natur.
Nur in den letzten Jahren gab es hier immense Veränderungen, es wurde immer heißer, der Regen fiel aus. Auch für die Ulme.
Wenn der Baum 250 Jahre alt ist, Jahrgang 1770, das jüngste geschätzte Alter, dann sah sie schon viele Vorfahren der Treppenfrau, vorausgesetzt die Familie ist eine alteingesessene.
Was für eine Vorstellung: Jahrgang 1770!

Die Fotos habe ich im September 2020 und April 2021 aufgenommen.

Link: Dicke Ulme Kienbaum im Baumregister

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